SAK-Forum thematisiert „Armut und Sucht“ – Forderungen an Politik und Gesellschaft

Die Saarländische Armutskonferenz (SAK) hat im Rahmen ihres neu belebten SAK-Forums das Thema „Armut und Sucht“ in den Mittelpunkt gestellt. Mit der Wiederaufnahme des Forums knüpft die SAK an ihre Ideen aus der Gründungszeit an: einen offenen Raum für Austausch, Diskussion und Vernetzung der Mitglieder zu schaffen. Beim Ende Oktober 2025 veranstalteten SAK-Forum referierte Sven Schäfer, Geschäftsführer der Drogenhilfe Saarbrücken gGmbH. In seinem Vortrag schilderte er eindrücklich die Arbeit des Drogenhilfezentrums und machte die engen Verbindungen zwischen Armut und Sucht deutlich. Die Veranstaltung fand im Johannes Foyer in Saarbrücken statt.

Foto: Michael Leinenbach

Menschen in Armut sind häufiger von Drogenkonsum betroffen, während Drogenabhängigkeit wiederum Armut verstärken kann. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass Menschen die in Armut leben, häufig anfälliger für riskantes Verhalten, einschließlich Drogenkonsum sind und es in sozial benachteiligten Quartieren einen leichteren Zugang zu illegalen Drogen gibt, was den Konsum ansteigen lässt. Drogenkonsum dient vielfach als Flucht vor der Realität. Dauerhafte Unsicherheiten wie finanzielle Not, die Angst vor Wohnungsverlust oder die schwierige Suche nach bezahlbarem Wohnraum verstärken den Griff zu Suchtmitteln. Häufig werden diese als Bewältigungsstrategie eingesetzt. Der Konsum geht nicht selten mit psychischen Erkrankungen einher. Gesellschaftliche Isolation führt dazu, dass Betroffene ihr geringes Selbstwertgefühl durch Drogen kompensieren. Hinzu kommen mangelnde Bildung und Aufklärung, die Fehlinformationen Vorschub leisten, sowie der Druck durch Gruppenzwänge.

Auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sind in allen gesellschaftlichen Gruppen spürbar.

Drogen verschaffen kurzfristig Rausch und Entspannung, fungieren aber zugleich als Brücke zur Verdrängung von Traumata. Zunehmend ist ein polyvalenter Konsum zu beobachten: Drogentote weisen teilweise bis zu zehn verschiedenen Substanzen im Körper auf.

Foto: Michael Leinenbach

Besonders alarmierend ist, dass Armut und Sucht einen intergenerationalen Kreislauf bilden können. Kinder aus betroffenen Familien sind dadurch in besonderem Maße gefährdet, selbst in diesen Kreislauf hineinzuwachsen. Ohne eine therapeutische Behandlung der zugrunde liegenden Probleme sind nachhaltige Verhaltensänderungen kaum möglich.

Der Drogenmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert – zum Leidwesen all jener, die Drogen bekämpfen, und auch zum Leidwesen derjenigen, die im Hilfesystem arbeiten. Kokain und Crack sind in besorgniserregendem Maße verfügbar und der Konsum der Drogen nimmt spürbar zu. Die Folgen sind massive gesundheitliche Schäden, soziale Not, steigende psychische Erkrankungen und zunehmende Obdachlosigkeit.

Zugleich gibt es nicht mehr den „typischen Drogenkonsumenten“ – wenn es ihn je gab. Heute konsumieren Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten Drogen: mal selten, mal regelmäßig, täglich, im schlimmsten Fall stündlich. Jede Droge schadet, und doch gehört der Rausch für viele dazu – sei es durch Alkohol, Zigaretten oder Koffein, aber auch durch Cannabis, Ecstasy oder Kokain.

Forderungen des SAK-Forums

Am Ende der Veranstaltung fasste Michael Leinenbach, Vorsitzender der SAK, die zentralen Forderungen an Politik und Gesellschaft zusammen. Diese sollen Betroffene unterstützen und den Weg zu einer inklusiveren Gesellschaft ebnen:

– Es müssen spezielle Übernachtungsmöglichkeiten mit Konsumraum, in dem die Möglichkeit besteht, die Sucht zu befriedigen, für aktiv konsumierende Menschen vorgehalten werden.
– Es müssen Tagesaufenthalte mit Tagesruhebetten angeboten werden.
– Der ganzheitliche Ansatz muss in den Hilfen verfolgt werden.
– In den Diensten müssen interprofessionelle Teams vorgehalten werden.
– Es muss darauf hingewirkt werden, dass eine entsprechende

Personalisierung den Diensten zur Verfügung gestellt werden kann.
– Es muss darauf hingewirkt werden, dass einerseits eine Entsäulung der Sozialgesetze sowie andererseits der Abbau der Bürokratisierungen zum Wohle der Menschen vorangetrieben wird. 

Autoren: Michael Leinenbach / Red.

Foto: Irene Portugall

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