Die Saarländische Armutskonferenz (SAK)
> Lobby für arme Menschen im Saarland
| Präambel Haltung – Anerkennung, dass alle Menschen Rechte haben und Betroffene keine „Almosenempfänger“ sind. |
Zweck
– Informations-, Bildungs-, Koordinations- und Lobbyarbeit in der Armutspolitik.
– Befassung mit Problemstellungen und Lösungsvorschlägen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien, die durch Armut soziale, gesundheitliche, wirtschaftliche oder kulturelle Benachteiligung erfahren.
-Wahrung der Würde von Menschen mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten.
Aufgaben der SAK
– Beratung und Bewertung der Entwicklung von Armut und Armutsbekämpfung im Saarland.
– Förderung fachpolitischer Foren und Hearings.
– Formulierung gemeinsamer Stellungnahmen und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen.
Grundsätze
– Ermöglichung sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe für alle Menschen.
– Konsequente Partizipation: Mit den Menschen reden, nicht über sie.
– Betroffenen eine Stimme geben: Menschen mit Armutserfahrung erzählen lassen, ihnen Würde und Anerkennung schenken und in Kooperation ihre Rechte stärken.
– Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht nach seinem Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum oder zur „Wertschöpfung“.
– Wachrütteln der Öffentlichkeit durch konkrete Schicksale und Hinterfragen der gängigen Werte-Skala.
– Entbürokratisierung
– Einforderung der Menschenrechte
Forderungen der SAK
Europa
– Schaffung europaweiter, menschenwürdiger Sozialstandards.
Lobbyarbeit
– Sicherstellung und kontinuierlicher Ausbau der Lobbyarbeit für arme Menschen im Saarland.
Gesellschaft
– Schaffung einer Politik, die für eine gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum sorgt.
– Steuergerechtigkeit durch eine deutlich stärkere Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen.
– Sicherstellung der Teilhabe von allen Menschen am öffentlichen Leben und Schaffung vielfältiger Kontaktmöglichkeiten
– Entbürokratisierung
– Barrierefreiheit für alle schaffen
– Schaffung von diskriminierungsfreien Räumen
Sozialleistungen
– Schaffung bedarfsgerechter, armutsfester Sozialleistungen, die ein Leben in Würde ermöglichen (für Grundsicherungs-Berechtigte, Arbeitslose, Asylbewerber).
– Forderung einer kostenlosen Sozial- und Mobilitätskarte für alle Anspruchsberechtigten.
– Forderung nach sanktionsfreien Sozialleistungen: Unterstützung und Förderung statt Bevormundung und Bestrafung.
– Schaffung und dauerhafte Installierung eines öffentlich geförderten Arbeitsmarktes – „Dritter (Sozialer) Arbeitsmarkt“
– Forderung einer eigenen Arbeitsmarktpolitik des Landes
Grundsicherungen
– Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens
– Einführung einer Kindergrundsicherung, die den tatsächlichen Bedarf von Kindern berücksichtigt.
– Einführung einer Grundrente als Mindestsicherung, die ein Leben ohne ergänzende Sozialhilfe ermöglicht.
Gesundheit und Pflege
– Vollständige Befreiung von Armut betroffener Menschen von Gesundheits- und Pflegekosten.
– Sicherung und Ausweitung der medizinischen, fachmedizinischen und therapeutischen Versorgung in allen Landkreisen im Saarland.
Wohnen und öffentlicher Raum
– Übernahme der tatsächlichen Wohnkosten durch Jobcenter und Sozialämter sowie Verbot von Zwangsumzügen.
– Verstärkter barrierefreier sozialer Wohnungsbau und barrierearme Instandsetzung bestehender Bestände
– Einführung einer Mietpreisbremse bzw. eines Mietpreisdeckels.
– Verschärfte Auflagen für Immobilien-Übernahmen durch Finanzinvestoren.
– Einführung einer Leerstandssteuer zur Bekämpfung des Wohnungsmangels.
– Ausbau niedrigschwelliger Tagesaufenthalte im Saarland
– Öffentliche Schutzräume für Wohnungslose im Winter landesweit schaffen
Energie und Grundversorgung
– Verzicht auf „Richtwerte“ bei Heizkosten zur Sicherung menschenwürdigen Wohnens.
– Gesetzliches Verbot von Energie- und Wassersperren
– Erlass eines kurzfristigen Moratoriums zur Verhinderung von Energiesperren als einzige und schnelle Methode zur Wahrung der Menschenwürde
– Stärkere gesetzliche Kontrolle der Energieversorger hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung.
– Intensivierte Thematisierung der Energiearmut im Saarland angesichts steigender Kosten.
– Deutliche Kritik an politischen Entscheidungen zu Energiekosten, die Armutsbetroffene unzureichend schützen.
Mobilität
– Automatischer Versand der SozialCard zusammen mit dem Bewilligungsbescheid für Grundsicherungsleistungen bzw. Wohngeld. Die SozialCard ist Voraussetzung für den Erwerb des Sozialtickets.
– Sozialtickets auch am Automaten, für Einzelfahrten und zur Mitnahme weiterer Personen am Wochenende
– Einmal-Kaufoption für das Deutschlandticket
– Ausbau von Unterstützungs- und Begleitdiensten für beeinträchtigte Menschen.
– Flächendeckendes und für die Nutzer*innen bezahlbares Netz an leicht erreichbaren, niederschwelligen Sozial-Beratungsstellen (z.B. Sozialhilfe, Wohnen, Verschuldung; Hilfe und Beratung für alte und behinderte Menschen) in allen Landkreisen und im Regionalverband
Soziale Sicherung und Politik
– Kritische Begleitung und Änderungsvorschläge zur „Neuen Grundsicherung“
Strukturelles und Vernetzung
– Förderung der Selbstorganisation von Menschen mit Armutserfahrungen durch das Projekt „SAK nah dran“.
– Intensivierung lokaler Kooperationen, unter anderem mit der Landeshauptstadt Saarbrücken und weiterer regionalen Akteure zur Armutsbekämpfung vor Ort.
Dezentrale Strukturen aufrecht halten
– Erhalt und Erweiterung der Angebote von Geschäften, Kneipen, Bürgertreffs, Arztpraxen und Apotheken, „Dorfläden“ (ohne Gewinnabsicht) auf dem Land.
– Ergänzende mobile Dienstleistungsangebote in kleinen Gemeinden/Dörfern (Dorfläden, Dorfgemeinschaftshäuser, Mehrgenerationenhäuser)
– Einrichtung von Gesundheitszentren mit verschiedenen Professionen, die eine wohnortnahe Versorgung ermöglichen
– Aufrechterhalten von finanziellen Mitteln bzgl. nicht direkt finanziellen Gewinn ausschüttenden Gebieten wie z.B. Historie und Erhalt örtlicher/ländlicher Kultur
Finanzierung
– Nutzung von Sondervermögen zur Absicherung sozialer Maßnahmen.
– Stärkung der Steuerbehörden, um jährliche Fehleinnahmen von 100 bis 200 Milliarden Euro effektiv einzuziehen.
Teilhabe
– Umsetzung der Behindertenkonvention (BRK) zur Ermöglichung lokaler Teilhabe für jeden Menschen.
Saarbrücken, den 31.01.2026