Forderungspapier der SAK zu – „Entbürokratisierung, Entsäulung der Sozialsysteme sowie sprachliche Abrüstung der politisch Verantwortlichen“ –

Es wird kälter, auch im Saarland. Der Winter schreitet voran, aber nicht nur die Natur wird kälter. Das soziale Klima kühlt stetig ab. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Lage fordert die Saarländische Armutskonferenz (SAK) „Entbürokratisierung, Entsäulung der Sozialsysteme sowie sprachliche Abrüstung der politisch Verantwortlichen“.

Wird die aktuelle Entwicklung beachtet, so muss festgestellt werden, dass der stetig wachsende Bürokratieausbau, die stetig wachsende Versäulung in den Sozialsystemen sowie die sprachliche Aufrüstung in der Gesellschaft den sozialen Frieden in Deutschland stetig gefährdet.

Die Verwaltung muss ihren Dienst zur Unterstützung der Menschen verrichten und sich nicht mit Bürokratieaufbau, einer stetig wachsenden Veräulung der Sozialsysteme verfangen und noch mehr Bürokratie entwickeln. „Es wird Zeit das den vielen Worten zum Wohle der Menschen Taten folgen, die nicht in Sonntagsreden münden und Politik im Rahmen der Diskursbildung sprachlich abrüstet und sich nicht negativ über von Armut betroffene Menschen spricht und ganze Bevölkerungsgruppen stigmatisiert “, so Michael Leinenbach, Vorsitzender der SAK.Und die Meldungen über die soziale Kälte im nahen Winter überschlagen sich. Kinderarmut, Altersarmut, Überschuldung, steigende Wohnungslosigkeit sind nur einige Prozesse, die die Gesellschaft treffen.

So schreibt die Saarbrücker Zeitung in ihrer Ausgabe von Samstag / Sonntag, 15./26.11.25 im Titel „Gut 80 000 Menschen und damit 9,3 Prozent der Bevölkerung an der Saar gelten aktuell als überschuldet – das sind gut 1500 mehr als im Vorjahr und deutlich mehr als im Bundesschnitt (8,1 Prozent).“ Die SZ weist weiter darauf hin, dass erstmals seit fünf Jahren die Zahl der Personen, deren Kreditwürdigkeit gefährdet ist oder die keine Kredite mehr erhalten steigt. Die Saarbrücker Zeitung weist weiter aus, dass „bei den unter 30-Jährigen (Betroffene haben hier durchschnittlich 9000 Euro Schulden) als auch den über 70-Jährigen nahmen sie zuletzt merklich zu.“ Letzteres bildet insbesondere die wachsende Altersarmut ab.

Zur selben Zeit veröffentlicht die „BAG-Wohnungslosigkeit“ anlässlich ihrer Bundestagung am 19. bis 21. November 2025 in Berlin, dass „Im Verlauf des Jahres 2024 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos waren im Unterschied zu 2023, in der es 928.000. Rund 56.000 von ihnen lebten ganz ohne Unterkunft auf der Straße (2023: 54.000). Zum Stichtag 30. Juni 2024 waren 760.000 Menschen betroffen (2023: 681.000).

Laut Hochrechnung der BAG-Wohnungslosigkeit waren im Jahr 2024 rund 765.000 der wohnungslosen Personen Erwachsene (74 Prozent), darunter 465.000 Männer (61 Prozent) und 300.000 Frauen (39 Prozent). Rund 264.000 Kinder und Jugendliche unter 18 (26 Prozent) waren wohnungslos. Sie lebten mehrheitlich zusammen mit ihren Eltern und waren institutionell untergebracht.
https://www.bagw.de/de/neues/s?tx_netnews_newsview[news]=389&cHash=0af8991fea9ade1f2535fef10b2327c2

Das statistische Bundesamt stellt im November 2025 fest, dass jedes siebte Kind in Deutschland von Armut bedroht ist. Damit sind 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland armutsgefährdet.

Das statistische Bundesamt stellt konkret u.a. fest, „dass 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in einem Haushalt leben, der abgewohnte oder kaputte Möbel nicht ersetzen kann. Zwölf Prozent konnten sich zuletzt keine einwöchige Urlaubsreise leisten, fünf Prozent mussten auf Freizeitaktivitäten wie die Mitgliedschaft im Sportverein oder Kinobesuche verzichten, rund drei Prozent auf ein zweites Paar Alltagsschuhe in gutem Zustand.

Kein Geld für ein neues Bett? 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben in einem Haushalt, der abgewohnte oder kaputte Möbel nicht ersetzen kann. Zwölf Prozent konnten sich zuletzt keine einwöchige Urlaubsreise leisten, fünf Prozent mussten auf Freizeitaktivitäten wie die Mitgliedschaft im Sportverein oder Kinobesuche verzichten, rund drei Prozent auf ein zweites Paar Alltagsschuhe in gutem Zustand.

Zwischen einem und zwei Prozent der unter 16-Jährigen konnten aus finanziellen Gründen keine Freunde zu sich nach Hause einladen, keine Feste zu Anlässen wie einem Geburtstag feiern oder täglich frisches Obst und Gemüse bekommen, heißt es weiter.“
https://www.tagesschau.de/inland/armutsgefaehrdet-kinder-statistik-100.html 

Im UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025, dass weiterhin viel zu viele Kinder mit Blick auf ihre Chancen für ein gutes Aufwachsen und Zukunftsperspektiven zu stark ins Hintertreffen geraten. Mehr als einer Million Kinder fehlen wesentliche Voraussetzungen für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für späteren beruflichen Erfolg. Sie haben beispielsweise keinen Platz, um Hausaufgaben zu machen, können sich kein zweites Paar Schuhe oder vollwertige Mahlzeiten leisten und nehmen kaum an Freizeitaktivitäten Gleichaltriger teil. Nach wie vor entscheidet in Deutschland die familiäre Situation sehr stark über die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe der Kinder.

Der Bericht macht auch deutlich, dass viele Kinder und Jugendliche in Deutschland große Belastungen spüren. Das zeigt sich zum Beispiel an der starken Zunahme von körperlichen und psychischen Beschwerden, über die mittlerweile 40 Prozent der Jugendlichen berichten.
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/unicef-bericht-zur-lage-der-kinder-in-deutschland-2025/385504

Die SAK fordert daher konkret von den politischen Verantwortlichen konkretes Handeln u.a im Rahmen einer Entbürokratisierung, einer Entsäulung der Sozialsysteme sowie sprachliche Abrüstung im politischen Handeln um die soziale Kälte in Deutschland, und damit auch in Saarland entgegenzutreten.

Autor: Michael Leinenbach

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