Die Saarländische Armutskonferenz (SAK) und Vertretungen der Partei „Die Linke“ der Kreisverbände Saarbrücken und Saarlouis trafen sich Ende Februar 2026 in den Räumlichkeiten der SAK im Johannes-Foyer zu einem intensiven Austausch über Strategien gegen die wachsende Armut im Saarland. Im Mittelpunkt stand das von der SAK gestartete Teilhabeprojekt „SAK nah dran“, dass Menschen mit Armutserfahrungen stärkt und ihnen ermöglicht, ihre Anliegen selbstbewusst und eigenständig in Politik und Öffentlichkeit einzubringen.

Zu Beginn stellte Michael Leinenbach, Vorsitzender der SAK, die Entstehung und Entwicklung der SAK vor, die seit 1993 als Lobby für armutsbetroffene Menschen im Saarland arbeitet und seit 2002 als eingetragener Verein aktiv ist. Die Partei „Die Linke“ ist seit Jahren Fördermitglied der SAK. Anschließend präsentierte Irene Portugall, Referentin für Teilhabe, das Projekt „SAK nah dran“, das bewusst auf Selbstorganisation statt Fürsorge setzt. Menschen, die Armut erleben, sollen nicht nur gehört werden – sie sollen selbst gestalten können.
In den bislang durchgeführten Gruppentreffen wurde deutlich, wie wichtig dieser Ansatz ist. Die Teilnehmenden berichten über ihre Lebensrealitäten, etwa über unzumutbare Wohnsituationen in sogenannten Schrottimmobilien, Energiearmut oder fehlende Möglichkeiten kultureller Teilhabe. Portugall sei es nach eigenen Angaben gelungen, in kurzer Zeit Vertrauen aufzubauen und eine Atmosphäre auf Augenhöhe zu schaffen – eine Grundvoraussetzung für echte Beteiligung. Die Arbeit startete in Saarbrücken und werde nun auch in weiteren Städten aufgebaut. Gleichzeitig betont die SAK, dass diese Form der Begleitung personell wie finanziell anspruchsvoll sei.
Scharfe Kritik äußerte die SAK an der fehlenden staatlichen Förderung: Anträge für die Jahre 2025 und 2026 wurden mit Hinweis auf fehlende Haushaltsmittel abgelehnt. Das Projekt „SAK nah dran“ werde daher vollständig aus Eigenmitteln finanziert – ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar sei. Die SAK machte an diesem Termin wieder deutlich, dass jede Spende dazu beitrage, Menschen mit Armutserfahrungen eine Stimme zu geben und ihnen echte Teilhabe zu ermöglichen.
Im Rahmen des Treffens wurden zudem zwei neue Kurzclips der SAK vorgestellt, die in leichter Sprache die Unterschiede zwischen Fürsorge und Teilhabe sowie das Projekt „SAK nah dran“ erklären. Die Videos halfen auch an diesem Termin, Missverständnisse zu klären und den Blick auf die Bedeutung von Selbstbestimmung zu schärfen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Situation älterer Menschen im Saarland. Dirk Merkel aus der SAK-Arbeitsgruppe „Armut bei älteren Menschen“ schilderte die zunehmenden Schwierigkeiten insbesondere im ländlichen Raum, wo Mobilitätseinschränkungen und fehlende Infrastruktur die Versorgung erschweren.
Die Vertretungen von „Die Linke“ betonten die Bedeutung der SAK als Stimme für benachteiligte Gruppen und unterstützten die Forderung nach mehr Sichtbarkeit von Armut, um politischen Druck aufzubauen. Die SAK lud die Gäste ein, ihre Expertise in die Arbeitsgruppen einzubringen.
Autor: Sven Mohr
Fotos: Sven Mohr / Michael Sperlich

