Die Saarländische Armutskonferenz e.V. (SAK) eröffnete Ende Januar das Jahr 2026 nicht mit einem traditionellen Neujahrsempfang, sondern mit einer Reihe politischer Jahresgespräche. „Wir haben alle demokratischen Parteien sowie Fraktionen im Landtag und der Stadt Saarbrücken (als Zentrum) zu politischen Gesprächen eingeladen, um uns über die Situation der Menschen mit Armutserfahrung sowie Erfahrung in Wohnungslosigkeit auszutauschen“, erklärte der Vorsitzende der SAK, Michael Leinenbach. 
Den Auftakt bildete ein Gespräch mit der Fraktion bunt.Saarland für Alle, die im Saarbrücker Stadtrat und in der Regionalversammlung vertreten ist. Für die politische Wählergruppe bunt.saar nahmen Ekkehart Schmidt und Frank Lichtlein sowie die Fraktionsmitarbeitenden Marina Hetheier und Jan Scherer teil; die SAK wurde durch Christine Steimer, Christoph Jacob und Michael Leinenbach vertreten. Zu Beginn stellten beide Seiten ihre organisatorischen Strukturen und Grundhaltungen vor. Leinenbach erläuterte in diesem Kontext, dass die SAK landesweit organisiert sei und aktuell über keine Ortsgruppen (z. B. Saarbrücker Armutskonferenz) verfüge.
Im Austausch rückten verschiedene Themen von Armut in den Mittelpunkt: Energiearmut, Wohnungsarmut, Gesundheit, psychische Erkrankungen, soziale Armut. Ein gemeinsames Anliegen war die Sicherung und der Ausbau niedrigschwelliger Unterstützungsangebote für Betroffene. Allen Beteiligten ist es wichtig, dass für die betroffenen Menschen geeignete Unterstützungsangebote verlässlich bereitstehen müssen. Die aktuelle Debatte zur vollständigen Digitalisierung von Antragsverfahren wurde als ungeeignet bewertet und von den Anwesenden abgelehnt, da viele Betroffene weder über ein Mobiltelefon verfügen noch über die notwendigen Kenntnisse im Umgang mit digitalen Anwendungen oder die dafür erforderliche Sprachkompetenz.
Die Fraktion bunt.Saarland informierte, dass sie für Alle daher schon verschiedene Anfragen an den Regionalverband gerichtet habe, unter anderem zu einer vereinfachten Sprache und zur Nutzung von Dolmetscherdiensten im Jobcenter. Die Fraktion sei davon überzeugt, dass es für viele Gruppen einfach gehaltene Erläuterungen oder – besser noch – eines persönlichen „Lotsendienstes“ bedarf. Ob das neue Angebot „Sozialamt vor Ort“ in Kommunen außerhalb der Landeshauptstadt mit je einem monatlichen Termin, z. B. in Großrosseln, Püttlingen oder Völklingen, ausreiche, wolle man verfolgen.
Aus unterschiedlichen Gründen ausgegrenzte Menschen brauchen nach Auffassung von Ekkehart Schmidt nicht nur eine besondere Unterstützung beim Zugang zu den ihnen zustehenden sozialen Leistungen, sondern auch zu gesellschaftlichen Mitwirkungsmöglichkeiten und anderen Formen der Teilhabe, z. B. an kulturellen Angeboten. Dieses Thema wolle man bei einem inklusiven „Frühlingsfest“ der Fraktion am 20. März 2026 thematisieren, zu dem auch von Armut Betroffene sehr herzlich eingeladen seien.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage der Teilhabe. Werden im Saarland Maßnahmen der Fürsorge gemäß den geltenden Gesetzen gefördert, findet die in der Behindertenrechtskonvention (BRK) verankerte Teilhabe im Handlungsfeld Armut nur eingeschränkt oder gar nicht Anwendung. Exemplarisch verwies die SAK auf das Projekt „SAK nah dran“, das Menschen mit Armutserfahrung zur Selbstorganisation befähigen soll. Der entsprechende Förderantrag bei Saartoto wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass Fördermittel für diese Maßnahme über Saartoto nicht gewährt werden können und im Haushalt des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit Mittel für diese Maßnahme nicht zur Verfügung stünden. Die SAK wird dieses Projekt aufgrund seiner Bedeutung aus eigenen Bordmitteln finanzieren und versucht, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu eruieren.
Die Vertretungen beider Organisationen verständigten sich darauf, den begonnenen Austausch fortzuführen.
Autoren: SAK / Red
Foto: Michael Leinenbach