Forderungspapier der Saarländischen Armutskonferenz – Klimaanpassung braucht soziale Gerechtigkeit – Schutz vulnerabler Gruppen muss politische Priorität werden

Die Saarländische Armutskonferenz (SAK) fordert die Landespolitik eindringlich dazu auf, die sozialen Dimensionen der Klimaanpassung stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Bereits in ihrem Grundlagenpapier hat die SAK zentrale Forderungen formuliert, die nun im Kontext zunehmender Hitzeperioden, Energiearmut und wachsender sozialer Ungleichheit aktueller sind denn je. Das Grundlagenpapier ist der saarländischen Politik bekannt und wird regelmäßig in Konsultationen mit demokratischen Parteien thematisiert.


Klimaanpassung gelingt nur mit sozialer Infrastruktur

Viele der Maßnahmen, die heute für den Schutz vulnerabler Gruppen gefordert werden, sind seit Jahren Bestandteil der SAK‑Positionen: sozialer Wohnungsbau, menschenwürdige Transferleistungen, gleiche Bildungschancen, eine verlässliche Gesundheitsversorgung sowie der Zugang zu Mobilität. „Klimaanpassung darf kein Privileg sein. Menschen in Armut müssen genauso geschützt werden wie alle anderen“, betont die SAK.


Energiearmut: Hitze und Kälte treffen die Ärmsten zuerst

Die SAK weist erneut auf die dramatischen Folgen der Energiearmut hin. Wer im Winter von Strom- oder Heizsperren betroffen ist, kann im Sommer auch einfache Kühlgeräte wie Ventilatoren oder Kühlschränke nicht nutzen. Damit wird Hitze für viele Menschen lebensgefährlich.

Das Grundlagenpapier fordert daher unter anderem:
– ein gesetzliches Verbot von Energie- und Wassersperren
– ein kurzfristiges Moratorium zur Verhinderung von Energiesperren
– stärkere soziale Kontrolle der Energieversorger
– eine deutliche politische Auseinandersetzung mit Energiearmut im Saarland

Hitzeschutz, Hochwasser, Schutzräume

Die SAK fordert spezielle Schutzmaßnahmen für Hitze- und Hochwasserereignisse, darunter öffentliche Wasserspender, Schattenanlagen und niedrigschwellige Schutzräume für besonders gefährdete Gruppen. Diese Forderungen ergeben sich unmittelbar aus den Grundpositionen der SAK zu Wohnen, Energie und Grundversorgung.

Ältere Menschen: Einsamkeit, fehlende Mobilität, mangelnde Teilhabe

Ältere Menschen gehören zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Neben eingeschränkter Mobilität spielt Einsamkeit eine zentrale Rolle. Die SAK fordert daher den Ausbau niedrigschwelliger Tagesaufenthalte im Saarland, um soziale Teilhabe, Schutz vor Hitze und Unterstützung im Alltag zu gewährleisten.

Teilhabe stärken: „Mit den Menschen, nicht über sie“

Ein Kernanliegen der SAK ist die konsequente Beteiligung von Menschen mit Armutserfahrung. Mit Formaten wie dem Projekt „SAK nah dran“ setzt die SAK ein deutliches Zeichen: Betroffene sollen nicht nur gehört werden, sondern aktiv mitgestalten. Vielfalt und Diversität sind dabei zentrale Leitprinzipien.

Dezentrale Strukturen sichern

Gerade im ländlichen Raum droht ein Verlust lebenswichtiger Infrastruktur. Die SAK fordert daher:
– Erhalt und Ausbau von Geschäften, Arztpraxen, Apotheken und Bürgertreffs
– mobile Angebote wie Dorfläden oder Mehrgenerationenhäuser
– wohnortnahe Gesundheitszentren
– finanzielle Unterstützung für kulturelle und historische Strukturen ohne unmittelbaren Gewinnzweck

Politik ist informiert – Handlungsdruck bleibt hoch

Sowohl das Grundlagenpapier der SAK als auch der Sachbericht des Fachtags „Netzwerktreffen 2025“ liegen der saarländischen Politik vor. Dennoch sieht die SAK weiterhin erheblichen Handlungsbedarf, insbesondere im sozialen Wohnungsbau, bei der Bekämpfung von Energiearmut und beim Schutz vulnerabler Gruppen vor klimatischen Extremereignissen.

Regelmäßige Formate der SAK

Mit der jährlichen Veranstaltungsreihe zum Weltarmutstag, dem SAK Talk, dem SAK Forum und weiteren Formaten bereitet die SAK kontinuierlich Themen des Grundlagenpapiers auf und bringt sie in die öffentliche und politische Debatte ein.

Autor: Sven Mohr

Symbolleiste für Barrierefreiheit

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner