Schulbuchausleihe muss für ALLE kostenlos sein!
Zum Schuljahr 2026/27 gibt es im Saarland neue Regeln zur Schulbuchausleihe: Die Schulen führen die „Landesweite Systematische Medienausleihe Saar“ (LSMS) ein. Das bedeutet: Alle Schülerinnen und Schüler bekommen digitale Medien wie Laptops, Tablets und Lern-Programme. Die Schulbuchausleihe umfasst zukünftig sowohl gedruckte und digitale Schulbücher als auch Lernsoftware und digitale Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler.
Für Familien mit wenig Geld gibt es durch diese Neuerung Probleme. Wir als Arbeitsgruppe „Armut und Bildung“ der Saarländischen Armutskonferenz sagen deutlich: Das muss sich ändern!
Was sind die Probleme?
1. Zu viel Papierkram:
Früher waren Familien mit Kindern, die Leistungen der Grundsicherung (Jobcenter oder Sozialamt) erhalten, automatisch befreit. Jetzt ist es komplizierter: Die Eltern müssen aktiv werden, einen Antrag bei Jobcenter bzw. Sozialamt stellen und den Brief von der Schule mit einem entsprechenden Antrag dort abgeben. Wird der Antrag nicht oder nicht vollständig gestellt, besteht die Gefahr von Schulden.
Familien, die Wohngeld und / oder Kinderzuschlag erhalten sind weiterhin automatisch von den Kosten befreit. Wieso stellt man Familien im Bezug von Grundsicherungsleistungen schlechter? Das versteht niemand!
Zudem besteht seitens der Behörden und Schulen ein viel höherer Kosten- und Personalaufwand.
2. Die 30-Euro-Falle:
An den weiterführenden Schulen kostet die Ausleihe insgesamt 160 € pro Kind und Schuljahr. Das Jobcenter oder Sozialamt zahlt aber nur max. 130 €.
Wenn man sich für eine Direktzahlung des Jobcenters oder Sozialamts an die Schulverwaltungsämter entscheidet, wird die Differenz vom Land übernommen. Entscheidet man sich jedoch für eine Auszahlung auf das eigene Girokonto, werden nur max. 130 € ausbezahlt. Die restlichen 30 € für die Nutzung digitaler Lernmaterialien, insbesondere Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien sowie Lernsoftware, müssen die Eltern aus eigener Tasche bezahlen. Das ist ungerecht!
3. Stromkosten:
Eine gesicherte Energieversorgung (Strom) in den Wohnungen der Kinder ist nicht garantiert, damit die Kinder auch die Endgeräte benutzen können. Ein Aufladen der Geräte in der Schule wird meist untersagt. Die Grundsicherung enthält eine Pauschale für Strom. Diese reicht allerdings schon jetzt oftmals nicht, um die echten Kosten zu decken.
Wir fordern für eine echte Bildungsgerechtigkeit:
Keine Kosten für die Schulbuchausleihe und Entbürokratisierung!
Die vollen 160 € pro Kind und Schuljahr müssen vollständig übernommen werden, unabhängig von einer Überweisung auf das eigene Konto oder einer Abtretungserklärung. Und dies ohne, dass ein Antrag gestellt werden muss! Bildung darf nichts extra kosten. Arme und von Armut gefährdete Familien sind von Bürokratie zu entlasten, anstatt diese weiter aufzublähen!
Autoren:
Christine Steimer und Martin Riotte für die Arbeitsgruppe „Armut und Bildung“ der „Saarländischen Armutskonferenz“ (SAK)