Stellungnahme der Saarländischen Armutskonferenz (SAK) zur Familienferienförderung im Saarland

Die Saarländische Armutskonferenz fordert eine Familienförderpolitik, die echte Teilhabe ermöglicht statt punktueller Hilfen. Ferienangebote müssen unbürokratisch, diskriminierungsfrei und für alle einkommensarmen Haushalte zugänglich sein – einschließlich Bezieherinnen und Beziehern von Grundsicherung sowie Menschen mit geringem Einkommen, die häufig knapp oberhalb der Anspruchsgrenzen liegen und regelmäßig übersehen werden. Entscheidend ist jedoch eine strukturelle Armutsbekämpfung: armutsfeste Sozialleistungen, kostenfreie Mobilität, ein landesweiter Ferienpass und starke soziale Infrastruktur. Nur so kann das Saarland soziale Teilhabe für alle gewährleisten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig sichern.

 

Nachfolgend die Stellungnahme der SAK

Die Familienferienförderung des Saarlandes ist kein neues Instrument, sondern seit Jahren ein fester Bestandteil der staatlichen Familienpolitik. Ihr Ziel ist es, einkommensschwachen Familien und Alleinerziehenden einen gemeinsamen Urlaub zu ermöglichen – ein Angebot, das wir ausdrücklich begrüßen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion, dass ein Drittel der Saarländerinnen und Saarländer sich keinen Urlaub leisten kann (Quelle: Statistische Bundesamt – Juni 2026). Für die Saarländische Armutskonferenz (SAK) ist dies ein alarmierendes Signal für die zunehmende soziale Spaltung im Land.


Teilhabe statt Fürsorge

Die SAK bewertet Programme wie die Ferienförderung grundsätzlich im Kontext sozialer Teilhabe. Unser Ansatz lautet: Teilhabe statt Fürsorge. Menschen müssen die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – unabhängig von ihrem Einkommen. Hier verweisen wir ausdrücklich auf unser Teilhabeprojekt „SAK nah dran“, das zeigt, wie wichtig echte Beteiligung und niedrigschwellige Zugänge sind.

Wahrung der Würde

Wenn sich ein so großer Teil der Bevölkerung keinen Urlaub leisten kann, bestätigt dies unsere Warnung vor einer Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ferienhilfen sind hilfreich, aber sie bekämpfen nicht die strukturellen Ursachen von Armut, die durch steigende Preise und unzureichende Sozialleistungen weiter verschärft werden.

Umsetzung: Bürokratie abbauen, Barrieren beseitigen

Aus unserer Arbeit ergeben sich klare Kritikpunkte an der bisherigen Ausgestaltung von Fördermaßnahmen:
Entbürokratisierung: Komplizierte Antragsverfahren schrecken viele Menschen ab. Ferienförderung muss einfach, verständlich und barrierefrei zugänglich sein.

Diskriminierungsfreiheit: Niemand darf sich durch die Inanspruchnahme von Hilfen stigmatisiert fühlen. Angebote sollten so gestaltet sein, dass sie selbstverständlich und diskriminierungsfrei genutzt werden können.

Kostenfreie Mobilität: Ein zentraler Baustein sozialer Teilhabe ist Mobilität. Die kostenfreie Nutzung des ÖPNV – wie sie Luxemburg erfolgreich eingeführt hat – wäre ein entscheidender Schritt, um Familien echte Bewegungsfreiheit zu ermöglichen.

Kritik an Ausschlusskriterien

Die SAK hat bereits bei früheren Programmen, etwa dem Energie-Sofortprogramm, kritisiert, dass Menschen im Transferleistungsbezug ausgeschlossen wurden. Eine Ferienförderung darf diesen Fehler nicht wiederholen. Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung, sowie Menschen mit geringem Einkommen, die oft knapp oberhalb der Anspruchsgrenzen liegen und dadurch regelmäßig übersehen werden, müssen unbürokratisch und ohne Hürden Zugang erhalten.

Strukturelle Lösungen statt punktueller Hilfen

Einmalige Unterstützungen können Symptome lindern, lösen aber keine Armut. Die SAK fordert daher:

Armutsfeste Sozialleistungen, die ein Leben in Würde ermöglichen – inklusive Kindergrundsicherung und sanktionsfreier Leistungen.

Automatische Zuteilung von Berechtigungen, etwa durch den Versand von SozialCards oder Ferienberechtigungen direkt mit dem Bewilligungsbescheid.

Partizipation statt Stellvertretung: Maßnahmen müssen gemeinsam mit armutserfahrenen Menschen entwickelt werden. Nur so werden tatsächliche Bedarfe – etwa Mobilitätskosten oder Barrierefreiheit – berücksichtigt. Auch hier verweisen wir auf „SAK nah dran“.

Konkrete Vorschläge für eine moderne, diskriminierungsfreie Ferienförderung

Um Familien im Saarland nachhaltig zu entlasten und echte Teilhabe zu ermöglichen, schlägt die SAK folgende Maßnahmen vor:

– Kostenfreie Nutzung des ÖPNV für alle Familien während der Ferien

– Ein landesweiter, diskriminierungsfreier Ferienpass für Bäder, Kulturangebote, Tierparks, Kletterparks u. v. m. – idealerweise gekoppelt an kostenfreie Mobilität

– Ausreichende Tagesbetreuungsangebote für Kinder

– Intergenerative Angebote, die Familien in ihrer Vielfalt berücksichtigen

– Spezielle Programme für ältere Menschen, die häufig von Einsamkeit und eingeschränkter Mobilität betroffen sind

– Stärkung sozialer Träger, die Familien und armutserfahrene Menschen begleiten und unterstützen

Fazit
Die Familienferienförderung ist ein wichtiges Signal – aber sie reicht nicht aus. Was das Saarland braucht, ist eine Politik, die Armut strukturell bekämpft, soziale Teilhabe ermöglicht und Menschen nicht durch Bürokratie oder Stigmatisierung ausschließt. Die SAK steht bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten und gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Betroffenen nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Autor: Sven Mohr

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