Auf Einladung von „SAK nah dran – Saarbrücken“ tauschte sich Florian Spaniol, Landesvorsitzender der Linken im Saarland, mit der Gruppe aus. Irene Portugall, die Leiterin der Initiative, begrüßte ihn herzlich und stellte die Arbeit sowie die Entwicklung der Gruppe seit Februar 2026 vor. Neben den kulturellen Aktivitäten im Rahmen der Teilhabe liegt ein besonderer Fokus auf der politischen Teilhabe: Die Gruppe möchte sich mit Vertretern demokratischer Parteien austauschen, um deren Ideen, Vorstellungen und konkreten politischen Positionen zum Thema Armut kennenzulernen. Mit der Einladung von Florian Spaniol wurde dieses Vorhaben nun in die Tat umgesetzt und das Projekt gestartet.

Spaniol bedankte sich für die Einladung und präsentierte politischen Ziele der Linken im Saarland, wobei er besonders die langjährige Unterstützung der Saarländischen Armutskonferenz als Fördermitglied hervorhob. Seine politischen Erfahrungen sammelte er unter anderem im Hochschulrat der Universität des Saarlandes, im Studentenparlament sowie im Stadtrat von Homburg. Sein Engagement sieht er vor allem dort, wo Menschen in ihren Rechten beschnitten oder diese nicht gewährt werden.
Im Zusammenhang mit dem Thema Armut kritisierte er, dass der Saarländische Landtag sich die Diäten erhöht habe, während gleichzeitig Reallöhne und Transferleistungen gesunken seien.
Gesundheitsversorgung: Zweiklassensystem und Reformbedarf
Eine Frage aus der Gruppe bezog sich auf die medizinische Grundversorgung im Saarland. Spaniol verwies darauf, dass die aktuelle Bundespolitik Zuzahlungen erhöht und psychotherapeutische Leistungen einschränkt. Diese Maßnahmen seien keine Reformen, sondern Kürzungen, die eine Zweiklassengesellschaft in der Gesundheitsversorgung verstärken. Während die private Krankenversicherung verschont bleibe, würden einkommensschwache und ältere Menschen belastet. Die Linke fordert daher die Abschaffung des Zweiklassensystems in der Gesundheit sowie die Einrichtung regionaler Gesundheitszentren und einer mobilen Gesundheitsversorgung im Saarland. Im ersten Schritt sollte die telefonische Krankschreibung wieder möglich sein.
Hitzeschutz und Wohnungsbau: Rechte durchsetzen, Wohnraum schaffen
Auf die Frage nach Hitzeschutz in Wohnungen verwies Spaniol auf bestehende Regelungen wie Mietminderungen bei Hitze, deren Umsetzung jedoch oft scheitere. Ein zentrales Problem sei, dass Mieter: innen, die ihre Rechte einfordern, Kündigungen riskieren.
Die Linke setze sich für den Ausbau von sozialem und bezahlbarem Wohnungsbau ein. Öffentliche Wohnungsunternehmen sollten in Genossenschaften umgewandelt werden, und bis ausreichend Wohnraum verfügbar ist, fordert sie einen Mietendeckel sowie die Abschaffung von Schrottimmobilien. Wohnen ist ein Menschenrecht.
Wohnraum müsse den Bedürfnissen der Menschen entsprechen – nicht denen von Investoren. Daher fordert die Linke eine dauerhafte Bindung staatlich geförderter Wohnungen, Mieten, die dem Mietspiegel entsprechen, sowie ein Verbot von Mietsteigerungen und automatischen Mieterhöhungen. Das Recht auf ausreichend Wohnraum für alle müsse garantiert werden.
Arbeitsmarkt: Sanktionen abschaffen, Perspektiven ermöglichen
Der Arbeitsmarkt sei für Menschen in Transferleistungen besonders schwierig: Mindestlöhne werden auf die Transferleistungen angerechnet, und bei drei verpassten Terminen werden die Leistungen gestrichen. Bürokratie und Hürden nehmen zu, was Wohnungslosigkeit begünstige.
Die Linke fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen, um Menschen Perspektiven zu ermöglichen. Sie plädiert für einen Paradigmenwechsel: Weg von Sanktionen, hin zu Chancen und Teilhabe. Zudem müsse der zweite Arbeitsmarkt wieder gestärkt werden. Verhindert werden muss, dass Menschen durch staatliche Institutionen in prekäre Jobs gedrängt werden. Aus der Gruppe kam der Vorschlag, Projekte zu schaffen, in denen Menschen verschiedene Arbeitsfelder testen können.
Nachbarschaftskantinen: Teilhabe statt Fürsorge
Auf die abschließende Frage, welche konkreten Projekte die Linke gegen Armut vorschlage, betonte Spaniol, dass seine Partei echte Teilhabe in allen Lebensbereichen anstrebe – nicht nur eine Reduzierung auf Fürsorge. Ein zentrales Projekt sei die Einrichtung von Nachbarschaftskantinen in saarländischen Kommunen. Diese sollten Begegnung und Austausch ermöglichen, günstige Verpflegung anbieten und so Kommunikation und gesellschaftliche Entwicklung fördern.
Autor und Fotos: Michael Leinenbach
